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Neue Unterwasser-Hebekissen für das THW Neu-Ulm

02. Juni 2012

Neue Unterwasser-Hebekissen für das THW Neu-Ulm

Für viele PKW-Fahrer ist dies ein echtes Horror-Szenario: ein PKW versinkt zusammen mit den Insassen im Wasser. Durch die verbesserte Dämmung bei modernen PKW sollte sich eine Luftblase länger im Fahrzeug halten können, als dies bei Fahrzeugen vergangener Generationen der Fall war. Sollte dies zutreffen, könnte zukünftig ein neues spezielles Unterwasser-Hebesystem zum Einsatz kommen, um zunächst das Fahrzeug komplett an die Oberfläche zu bringen, um dann dort die eingeschlossenen Personen zu bergen.
Eine ausreichend große Luftblase im Fahrzeug stellt leider noch keine Garantie für die Rettung der Insassen dar. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für die Rettungskräfte sehr schwierig ist, wirklich alle Insassen gleichzeitig – und damit rechtzeitig – an die Wasseroberfläche zu bringen. Es muss eine Öffnung geschaffen werden, durch welche natürlich weiteres Wasser in das Fahrzeug eindringt. Durch den Beginn der eigentlichen Rettung riskiert man - je nach Lage - den Verlust der Luftblase.
Aufgrund dieser Erfahrungen wurde in den USA ein spezielles Unterwasser-Hebesystem entwickelt, welches der Förderkreis Technisches Hilfswerk Neu-Ulm e.V. vor einigen Monaten für die Bergungs-taucher des THW Neu-Ulm beschafft hat.

Die Neu-Ulmer THW-Bergungstaucher sind seit über 30 Jahren auf die Bergung von Objekten aller Art aus Gewässern spezialisiert. Die Palette reicht hier von Fahrrädern über PKW bis hin zu Baumaschi-nen aller Art. Die Tauchgruppe verfügt hier über Hebekissen unterschiedlicher Größe. Das neue Hebesystem ergänzt diese Ausstattung und lässt sich natürlich auch für Bergungen anderer Objekte
einsetzen.
Das neue System besteht aus zwei identischen mit Luft zu befüllenden Kissen mit einem Volumen / Tragkraft von 1.000 kg je Kissen. Diese Kissen werden mit bereits fest montierten Ketten am Fahrzeug befestigt. Die Befüllung erfolgt entweder mit Pressluftflaschen (Volumen 10 l, Druck 200 bar) oder mit einem Druckluftschlauch von der Oberfläche aus. Dadurch enthält das versunkene Fahrzeug genügend Auftrieb, um an die Wasseroberfläche zu steigen.
Die Befreiung und Rettung der Insassen wird dann erst an der Wasseroberfläche durchgeführt, wobei hier dann die Erfolgsaussichten deutlich besser sind.
In einem betonierten Becken auf dem Gelände der Feuerwehr Neu-Ulm wurde das Hebesystem getestet. Mit dabei waren auch die Taucher des THW Ehingen sowie die Wasserwacht Neu-Ulm, die die Absicherung der aufwändigen Bergungsaktion übernommen hatte.

Hierzu wurde ein entsprechend präparierter PKW (ohne Treibstoff, Öl etc.) mit dem THW-Kran in das Becken auf dem Gelände der Feuerwehr-Hauptwache gehoben. Kurz oberhalb der Wasseroberfläche stieg ein THW-Taucher als Testperson in das Fahrzeug ein. Im Fahrzeug befand sich ein Notfall-Tauchgerät für den Taucher. Zusätzlich wurde das Fahrzeuginnere durch eine Kamera überwacht.

Nach dem Absetzen des Fahrzeuges schwamm es für einige Zeit an der Oberfläche und begann dann erwartungsgemäß langsam über den schwereren Frontbereich zu sinken. Im Inneren bildete sich eine Luftblase. Der THW-Taucher Daniel Buck kletterte über die Sitze zum Fahrzeugheck. Als die Luftblase letztendlich nicht mehr ausreichte, verließ er das Fahrzeug und tauchte auf.
Dieser Versuch wurde im Laufe des Tages noch einmal wiederholt. Letztendlich ergaben die Versuche, dass bei diesen Rahmenbedingungen für rund vier Minuten Luft im Fahrzeug verblieb.
Für diesen Test wurde ein älteres Schrott-Fahrzeug eingesetzt. Bei modernen besser gedämmten Fahrzeugen könnte der Luftvorrat eventuell länger reichen. Dies wird im Rahmen einer Übung mangels Neufahrzeug schwer überprüfbar sein.  

Den zweiten Teil des Versuches stellte die Bergung des kompletten Fahrzeuges mit Hilfe der beiden neuen Hebekissen dar. Neu-Ulmer THW-Bergungstaucher fixierten diese im Kühlerbereich und am Fahrzeugheck. Durch gleichzeitiges Füllen der Kissen stieg das Fahrzeug – dieses Mal ohne Insassen – an die Wasseroberfläche. Da die THW-Taucher Vollgesichtsmasken mit Unterwasserfunk auf Ultraschallbasis tauchen, ist das gleichzeitige Öffnen der beiden Flaschen grundsätzlich beherrschbar.
Die Abstimmung ist allerdings eine entscheidende Komponente. Von Bergungsaktionen mit mehreren Hebesäcken ist allgemein bekannt, dass das Befüllen der Hebesäcke ausbalanciert zu erfolgen hat, um ein kontrolliertes Heben zu gewährleisten und einseitige Belastungen zu vermeiden. Aus diesem Grund sollten auch nur geschlossene Systeme mit Ventilen zum Einsatz kommen. Bei den beiden neuen Hebekissen ist dies der Fall. Das THW Neu-Ulm setzte deshalb schon in der Vergangenheit ein schlauchversorgtes Befüllungssystem ein, mit dem bis zu vier Hebekissen aus sicherer Entfernung kontrolliert und definiert befüllt werden konnten. Diese Füllarmatur kann auch mit den neuen Kissen verwendet werden.

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