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Unterwasserarbeiten in der Donau

19. November 2011

Die anhaltende Trockenphase der letzten Wochen hat auch in der Donau zu einem ungewöhnlich niedrigen Wasserstand geführt. Dadurch ergab sich für die Neu-Ulmer THW-Bergungstaucher die Gelegenheit, den Donauabschnitt bei der Eisenbahnbrücke im Rahmen der üblichen routinemäßigen Übungstauchgänge zu betauchen.

Drei Taucher fanden zwischen den Brückenpfeilern zum Teil recht große Metallelemente (Armierungseisen, Stahlträger, Reste von Spundwänden), die nicht nur flach im Flussbett lagen, sondern teilweise auch Richtung Wasseroberfläche ragten. Diese Metallteile stellen für alle Wassersportler eine latente Gefahr dar. Von der Oberfläche aus sind sie kaum sichtbar. Gekenterte Ruderer oder Kanufahrer oder Teilnehmer des winterlichen Abschwimmens der Donau könnten sich besonders bei weiterhin niedrigem Wasserstand erhebliche Verletzungen zuziehen. Auch die Teilnehmer des Nabada wären bei Niedrigwasser gefährdet.
Die entdeckten Metallteile wurden bei einem zweiten Tauchgang mit der Unterwasser-Videokamera dokumentiert. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei den Metallelementen teilweise um Reste der Bauabeiten anlässlich der Verbreiterung der Eisenbahnbrücke vor einigen Jahren. Die Deutsche Bahn AG als Zuständige für diesen Brückenbereich beauftragte das THW Neu-Ulm mit der Entfernung dieser Fremdkörper. Diese Aktion musste recht kurzfristig erfolgen, da der niedrige Wasserstand der Donau eine unabdingbare Voraussetzung für diese nicht ganz ungefährlichen Arbeiten ist.

Zwei THW-Bergungstaucher-Teams aus Neu-Ulm und aus Ehingen wurden von der Wasserwacht Neu-Ulm unterstützt. Die Wasserwacht übernahm die Absicherung oberhalb der Brücke, damit  trainierende Wassersportler über die teilweise Sperrung der Durchfahrt informiert waren. Während das Neu-Ulmer THW-Tauchteam mit der sogenannten Sauerstofflanze die größeren Metallteile unter Wasser trennte, beseitigte das Ehinger-Team ein Feld von Armierungseisen mit der hydraulischen Rettungsschere.
Bei dem Neu-Ulmer Team wurde erstmals ein Helmtauchgerät eingesetzt. Dieses Gerät wurde in den vergangenen Monaten zum Preis von rund € 20.000,-- beschafft. Die Finanzierung erfolgte  komplett durch den Förderkreis Technisches Hilfswerk Neu-Ulm e.V.. Bei diesem Helmtauchgerät wird der Taucher über einen Schlauch von der Wasseroberfläche her mit Atemluft versorgt. Gleichzeitig besteht auch eine kabelgeführte Kommunikationsmöglichkeit. Durch diese ständige Kommunikationsmöglichkeit lassen sich nicht nur Unterwasserarbeiten wesentlich besser koordinieren, sondern erhöhen auch die Sicherheit für den Taucher. Der Taucher ist komplett vom Wasser abgeschirmt.
Dadurch sind auch Arbeiten in kontaminierten Gewässern möglich. Durch entsprechende Wärmeschutzbekleidung, die unterhalb des Trockentauchanzuges getragen wird, sind auch bei niedrigen Wassertemperaturen längere Tauchgänge möglich. Bei dieser technischen Hilfeleistung war der Taucher rund zwei Stunden im Wasser.

Bei der Sauerstofflanze handelt es sich um eine Art „Unterwasserbrennschneidegerät“. Mit dieser Lanze lassen sich unter Wasser alle Materialien trennen, da an der Schneiddüse Temperaturen von bis zu 5.500°C erreicht werden können.

Die übrigen eingesetzten Taucher aus Ehingen und Neu-Ulm benutzen für den Einsatz Vollgesichtsmasken mit Unterwasserfunk auf Ultraschallbasis. So ist auch hier – besonders in der Kombination mit Trockentauchanzügen – der Taucher vom Wasser getrennt. Mit dem Ultraschallfunk können die Taucher auch untereinander kommunizieren und gleichzeitig den Kontakt zur Wasseroberfläche halten.
Neben den Tauch-Teams wurden auch zwei Boote eingesetzt: ein Wasserwacht-Boot zur oben erwähnten Absicherung und ein großes schweres THW-Arbeitsboot mit hydraulischer Bugklappe für das Hydraulikaggregat mit der Rettungsschere.
Mit der Hilfe eines LKW-Anbaukranes konnten die geborgenen Metallteile aus dem Wasser gehoben werden.

Hintergrund-Information:

Alle Tätigkeiten unter Wasser, die den Einsatz von Werkzeugen erfordern, werden unter dem Begriff „Bergungstauchen“ geführt. Der Gegensatz ist das „Rettungstauchen“, welches von den Wasserrettungsorganisationen Wasserwacht und DLRG durchgeführt wird.
Im Bereich „Bergungstauchen“ ist das THW bundesweit federführend. Man unterscheidet hier Bergungstaucher der Stufen 1,2 und 3, wobei die Stufe 3 das höchste erreichbare Niveau darstellt. Bei den zwölf Neu-Ulmer THW-Bergungstauchern verfügen sieben Taucher über die Qualifikation der Stufe 3 und vier Taucher über die Stufe 2. Zur Erreichung der Stufe 3, die die Verwendung aller hydraulischen, pneumatischen und thermischen Arbeitsmittel unter Wasser zulässt, ist ein achttägiger Speziallehrgang bei den Pioniertauchern  der Bundeswehr am Starnberger See erforderlich.  Dieser Lehrgang findet nur einmal jährlich statt. Bei insgesamt bundesweit 24 THW-Bergungs-Tauchgruppen können von den einzelnen Tauchgruppen nur 1-2 Ausbildungsplätze pro Jahr belegt werden.
Unterwasserarbeiten mit technischen Hilfsmitteln wie z.B. Drahtseilen zum Fixieren von Objekten, Hebekissen oder UW-Sägen sind versicherungstechnisch nicht von den Tauchrichtlinien der Wasserrettungsorganisationen abgedeckt. Die Unfallversicherungsträger haben auf eigene Richtlinien bestanden, die das THW in einem mehrjährigen Prozess mit diesen Trägern ausgehandelt hat.
In diesen Richtlinien sind die notwendige technische Mindestausstattung und die erforderlichen Ausbildungsschritte detailliert festgelegt. Neben den oben erwähnten thermischen Geräten verfügt das THW auch über hydraulische (wie z.B. Rettungsschere und Rettungsspreizer) und pneumatische (wie z.B. Sägen, Aufbrechhammer, Bohrmaschinen, Trennschleifer) Unterwasserarbeitsgeräte. Ergänzt wird diese Ausstattung durch Metallsuchgeräte, Unterwasserkameras und eine umfangreiche Unterwasserbeleuchtungsausstattung.

Zeitungsbericht Südwest Presse 21.11.2011

Zeitungsbericht Neu-Ulmer Zeitung 21.11.2011

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